Aufsatz schreiben im Polizei Einstellungstest

Aufsatz Polizei Einstellungstest

Ein Aufsatz zeigt das Sprachniveau der Bewerber 

Der Sprachtest ist fester Bestandteil jedes Polizei Einstellungstest und beinhaltet verschiedenste Aufgaben zur Rechtschreibung, Grammatik und zum Sprachverständnis, auch Lückentexte und ein Diktat gehören zu den Prüfungsinhalten. In einigen Bundesländern müssen die Bewerber, meist des gehobenen Dienst, auch einen Aufsatz schreiben und somit ihr Sprachniveau unter Beweis stellen.

Der Polizeialltag besteht nicht nur aus Streifendienst, Verkehrssicherung oder Großveranstaltungen abzusichern, sondern auch aus viel Büro- und Schreibarbeit. Zudem sollte ein Polizeibeamter immer in der Lage sein sich gut ausdrücken zu können, schließlich gehören Berichte verfassen, Unfälle und Anzeigen aufnehmen sowie Formulare ausfüllen ebenfalls zur Polizeiarbeit. Deshalb wird das Sprachniveau in einigen Einstellungstests mit einen Aufsatz getestet. Hierbei können Grammatik- und Rechtschreibfähigkeiten, Ausdrucksform sowie Kenntnisse aktueller gesellschaftlich relevanter Themen geprüft werden.

 

Der Aufsatz als Erörterung

In der Regel wird der Aufsatz im Einstellungstest als Erörterung niedergeschrieben und man muss zu einen gesellschaftsrelevanten Thema Stellung beziehen. Dabei sollte aber nicht nur auf die Vor- und Nachteile eingegangen werden. Wichtig ist hierbei auch auf die gesellschaftliche Sichtweise einzugehen und die eigene Meinung zu vertreten. Wenn du Thesen oder Behauptungen aufstellst, sollten diese unbedingt Begründet sein oder anhand von Beispielen aufgezeigt werden und nicht haltlos dastehen.

Wie schon erwähnt sollte man sich aber nicht nur mit den Vor- und Nachteile eines Themas auseinandersetzen und nur eine dialektische Erörterung wiedergeben. Denn nicht jedes Thema kann so einfach nach dem Schema Pro und Contra abgehandelt werden. Lautet das Thema zum Beispiel “Warum sollten Kinder Hobbys haben?”, kann man dies nicht einfach so mit Pro- und Contra-Argumenten abspeisen, es müssen Gründe dargelegt werden die die Behauptung unterstützt, warum Kinder Hobbys haben sollten. Hier muss also die Argumentation linear gestaltet werden und eine inhaltlich einheitliche Argumentationslinie gefolgt werden.

 

Die freie Erörterung im Einstellungstest

Es gibt also zwei Formen der freien Erörterung, die dialektische Erörterung (pro- und contra Erörterung) und die lineare Erörterung (steigende Erörterung), diese  Varianten kommen immer wieder im Einstellungstest ran. Dazu kannst du dir folgendes Merken:

  • Kann man die Frage nicht mit JA oder Nein beantworten, wählst du die lineare Erörterung. Hier kannst du die Vor- und Nachteile (pro und contra) nicht gegenüberstellen, sondern musst eine klare Position beziehen und aus einer Perspektive argumentieren.
  • Entscheide dich ob du für etwas oder gegen etwas bist? Beides geht nicht.
  • Du fängst mit dem schwächsten Argument an und steigerst die Argumente.
  • Das wichtigste Argument kommt zum Schluss.

 

Aufbau einer linearen Erörterung

Eine Erörterung gliedert sich immer in drei Abschnitte, die Einleitung, den Hauptteil und den Schlussteil. In der Einleitung wird der Leser in das Thema eingeführt und mit den wichtigsten Informationen versorgt. Der Hauptteil ist der längste und umfassendste Abschnitt und beschäftigt sich mit dem eigentlichen Thema. Hier wird eine These aufgestellt und die Pro- oder Contra-Argumente ansteigend aufgeführt. Der Schlussteil ist ebenfalls recht kurz, die Länge entspricht in etwa dem Umfang der Einleitung. Hier wird ein abschließendes Fazit getroffen und eine kurze Zusammenfassung der eigenen Meinung niedergeschrieben.

Die Einleitung

  • Thema der Erörterung bzw. Einführung zur Fragestellung
  • Das Interesse des Lesers wecken: Bedeutung der Fragestellung durch ein aktuelles Beispiel aus den Medien oder eigene Erfahrungen: „Warum ist das Thema wichtig?“

Der Hauptteil

Hier musst du deine These aufstellen und die von dir überlegten Argumente darstellen, wobei du mit dem schwächsten beginnst und mit dem stärksten endest:

  • 1) Den von dir gewählten Standpunkt zur Fragestellung eindeutig nennen ( Pro oder Contra) und so deine These aufstellen.
  • 2) Argument 1 (schwächstes Argument) bestehend aus Begründung, Beweis und Beispiel/Erklärung.
  • 3) Argument 2 (mittelstarkes Argument)
  • 4) Argument 3 (stärkstes Argument)

Der Schlussteil

Hier wird auf die Tragweite und Entwicklung der Thematik eingegangen:

  • Zusammenfassung des Hauptteils, jedoch keine Wiederholung der Argumente.
  • Mit deiner persönlichen Meinung abschließen und/oder auf eine Lösung/Wertung der Thematik eingehen.
  • Fazit

 

Grammatik, Rechtschreibung und Ausdruck

Bim Aufsatz kommt es nicht darauf an ein literarisches Meisterwerk abzuliefern und den “Pulitzer-Preis” zu gewinnen, schreibe deshalb nicht zu fantasievoll, bleibe eher sachlich und nüchtern. Neben dem Inhalt und themenrelevanten Kenntnissen, solltest du auch eine einwandfreie Rechtschreibung vorweisen und einen flüssigen und grammatisch richtigen Text formulieren. Schreibe keine langen Romane und werde nicht zu ausschweifend, der Aufsatz sollte in etwa 400-600 Wörter (DIN A4 Blatt) beinhalten. Dafür hast du im Einstellungstest 60 Minuten Zeit.

 

 

Kurzaufsatz als Erörterung mit 2 Beispielen

 

Variante 1: lineare Erörterung

Thema: Warum ist das äußere Erscheinungsbild eines Polizeibeamten so wichtig?

Argumentation: Die Erörterung legt dar warum das äußere Erscheinungsbild eines Polizeibeamten wichtig ist, dabei wird aufsteigend Argumentiert. 

Zeit: 60 Minuten (Wörter 418)

 

Warum ist das äußere Erscheinungsbild eines Polizeibeamten so wichtig?

  • (Einleitung mit Beispiel in Bezug auf das Thema)

Polizisten repräsentieren den Staat in den Augen der Bürger. Nicht nur der Dienstherr hat eine festgelegte Erwartungshaltung an die Polizisten, auch die Bürger selbst. Die Polizisten kommen dieser Erwartungshaltung entgegen, indem sie auf Ihr Verhalten und ihr Erscheinungsbild achten. Wer als Polizist auftritt, muss sich dagegen entscheiden, schulterlange Dreadlocks oder im Dienst gesprenkelte Augenschminke zu tragen. Ansonsten müssten Polizisten, die im Fasching oder zu Silvester zu einem Einsatz eintreffen, damit rechnen, nicht ernst genommen zu werden.

  • (Hauptteil mit aufsteigenden Argumenten, Begründung und Beispiele)

Das Erscheinungsbild eines Polizisten ist kein oberflächlicher Aspekt, dessen müssen sich alle Staatsbürger – auch die Staatsbürger in Uniform – bewusst sein. Die äußere Erscheinung beeinflusst die Arbeit ebenso wie das Verhalten und muss gesellschaftlichen Normen entsprechen.

Polizist ist man rund um die Uhr. Ist ein Bürger in Not, zum Beispiel durch einen aggressiven Randalierer, wird er sich jederzeit an einen uniformierten Polizisten wenden und um Hilfe bitten. Fährt ein Polizist zum Beispiel mit dem Zug zur Arbeit, tut er das in dem Bewusstsein, dass der Schaffner jederzeit zu ihm kommen und um Unterstützung bitten kann. Deswegen muss sich der Polizist auch auf dem Weg zur oder von der Arbeit bewusst sein, als Polizist wahrgenommen zu werden. Ein korrektes Erscheinungsbild, das Vertrauen erweckt, stützt seine Position.

Der Polizist vertritt den Staat – und der Staat erwartet, respektiert zu werden. Die Uniform allein wird von gesetzestreuen Staatsbürgern bereits respektiert, aber auch der Mensch darin muss dem entsprechen. Wer als Polizist auftritt, sollte gepflegt sein. Negative Auffälligkeiten jeglicher Art müssen Polizisten vermeiden. Kein Verbrechensopfer wird sich einem Polizisten anvertrauen, der nach Alkohol riecht und eine Zigarette im Mundwinkel hat. Ein gepflegter Polizist kann sich auf einen Vertrauenskredit berufen, der ihm und allen anderen hilft, Dinge sachlich zu regeln.

Ein Polizist sollte immer im Kopf haben, unangreifbar zu sein – soweit es möglich ist. Die Integrität der Person und die Korrektheit des Verhaltens sollten nicht angezweifelt werden. Wer als Polizist stets darauf achtet, gepflegt aufzutreten, vom Scheitel bis zur Sohle, verhindert, in unnötige Konflikte zu geraten. Der Polizist kommt mit allen Schichten der Gesellschaft zusammen, und die korrekte Erscheinung entspricht dem, was alle diese Schichten erwarten. Ob Obdachloser, Friseur oder Bankmanager, von einem Polizisten erwarten alle dasselbe.

  • (Schlussteil mit Fazit)

Als Polizist muss man sich bewusst sein, was Dienstherr und Gesellschaft erwarten – und dem genügen. Das kann nur gelingen, wenn dem Individuum in Uniform der gesellschaftliche Auftrag wichtiger ist als das Bedürfnis, durch Kleidung, Schmuck oder Make-up aufzufallen. Das ist gut so – wer anders priorisiert, kann der Gesellschaft auch nicht als Polizist dienen.


 

Variante 2: dialektische Erörterung

Thema: Sollte Pyrotechnik im Fußballstadion erlaubt sein?

Argumentation: Wir entscheiden uns bei der Erörterung gegen Pyrotechnik im Fußballstadion, beginnend mit Pro-Argumenten von Pyrotechnik und der Übergang zu den Contra-Argumenten.  

Zeit: 60 Minuten (Wörter 585)

 

Sollte Pyrotechnik im Fußballstadion erlaubt sein?

  • (Einleitung mit Bedeutung auf die Problematik des Themas)

Die Pyrotechnik in den Stadien gehört von jeher zum Profifußball wie Fanschals und die Pausenbratwurst. Die zumeist glühend roten Feuer und der dichte Qualm, das wird von Fernsehkommentatoren gern mit Heißblütigkeit verknüpft. Fußballvereine, deren Fans sich für besonders halten und sich „Ultras“ nennen, erleuchten bevorzugt den Nachthimmel und lassen Salven ertönen.

Der Gebrauch von Pyrotechnik ist in Deutschland aber reglementiert. Es gibt Gesetze, die regeln, was an jedermann verkauft werden darf – und was nur an Pyrotechniker. Ebenso gibt es Regelungen, wie Feuerwerk eingesetzt werden darf. Für diese Einschränkungen gibt es handfeste Gründe. Feuer kann Brände entzünden, Knallerei Hörschäden verursachen. Es gibt auf den ersten Blick keine Rechtfertigung, Feuerwerk und Böller in einer Menschentraube einzusetzen. Warum geschieht es dennoch?

  • (Hauptteil mit Pro- und Contra, aufsteigende Argumentation gegen Pyrotechnik)

Die Pyrotechnik in Deutschland ist kulturell verankert. Zu Silvester, bei Volks- und anderen Festen gehen Raketen in die Luft und knallen Böller. Das macht vielen Menschen Freude. Erfahrene Feuerwerker, die verantwortungsvoll arbeiten, zaubern eine Farbchoreografie in die Nacht, die eine Pracht ist. Fußballfans machen im Prinzip dasselbe – sie integrieren das Feuerwerk und bilden den Rahmen für den Sport. (Pro-Argument) 

Der Gebrauch von Feuerwerk fördert den Zusammenhalt der Fans genauso wie die Gesänge und Choreografien. Fans entkommen so aus der Passivität der Zuschauerrolle und akzentuieren das Geschehen. Sie setzen Feuerwerk für besondere Momente ein – vor dem Anpfiff oder wenn das eigene Team ihrer Meinung nach Motivation benötigt. (Pro-Argument) 

Die Argumente für die Pyrotechnik in den Stadien entstammen der Sicht derer, die sie einsetzen. Diese Interessen sind aber gegenüber dem Gemeinwohl abzuwägen. (Übergang)

Ein ordnungspolitischer Aspekt ist wichtig zu beachten. Ein Fußballstadion ist kein rechtsfreier Raum, auch nicht an einem Bundesligasamstag. Die Staatsbürger in den Trikots ihrer Vereine bleiben an das Grundgesetz gebunden und sollten strafverfolgbar bleiben. Wenn aber der Qualm in der Luft hängt und eventuell auch noch vermummte Straftäter Feuerwerk auf andere Fangruppen abfeuern, wie es bereits vorgekommen ist, hat die Staatsmacht beim nötigen Eingriff das Nachsehen. Schlechte Sicht, vermummte Täter, eine umzäunte Masse – das darf nicht sein. Die Pyrotechnik fördert Anonymität und mindert die Chancen der Ordner und Polizisten, Verbrecher zu erkennen und zu ergreifen. (Contra-Argument) 

Pyrotechnik ist und bleibt gefährlich, es handelt sich um potenzielle Waffen. Werden pyrotechnische Gegenstände gezündet in einer Menge, entsteht für die Umstehenden Gefahr. Nicht nur die bereits erwähnten Probleme können auftreten. In Menschenmengen tritt bei Gefahr eine Dynamik auf, die selbstständig abläuft – Massenpanik ist eine reale Gefahr und zu vermeiden, wo es nur geht. Kein Mensch darf eine große Gruppe um ihn herum so unter psychischen Druck setzen, dass es zur Panik kommt. Vor allem Fußballränge, die umzäunt sind, können zu einer gefährlichen Falle werden – im wahrsten Sinne des Wortes. So mancher Fan wurde schon am Zaun erdrückt von einer nachschiebenden Masse. (Contra-Argument)

  • (Schlussteil mit Lösungsansätzen, Meinung und Fazit)

Die Pyrotechnik in den Stadien gehört zum Profifußball wie die Schlägerei zum Oktoberfest. Das ist ein bedauerlicher Umstand. Das Problem an sich ist nicht die Pyrotechnik. „Technik“ an sich meint den fachmännischen Gebrauch intelligent ertüftelter Geräte. Davon kann beim Abfackeln der „Bengalos“ und Böller inmitten der Kurven und Ränge keine Rede sein. Wenn Pyrotechnik im Stadion eingesetzt werden soll, dann bitte so, wie es auf jedem Volksfest Usus ist: Fachleute brennen ein Feuerwerk so ab, dass niemand verletzt wird. Das ist auch stimmungsvoll.

Es ist Zeit, dem umgeordneten Treiben auf den Rängen Einhalt zu gebieten. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der Fans und des Fußballs. Und die Vereine mit besonders „heißblütigen“ Fans wie Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt freuen sich auch, wenn sie nicht mehr länger Strafen vom DFB auferlegt bekommen für das Spektakel am Rande.